Programm 2015

Körper_Bilder

Ausstellung| 05. 09. 2015 - 03. 10. 2015

Ort: PHOTO.KUNST.RAUM. Hamburg, Friedensallee 26
Öffnungszeiten: Do - Sa 14 - 18 Uhr

Eröffnung: 5.9.2015 um 19 Uhr
KuratorIn: alien productions

http://www.photokunstraum-hamburg.com/

„ […] das menschliche Leben [ist] nie einfach ‚nur Leben’ […]: Menschen sind nicht einfach lebendig, sie sind besessen von dem seltsamen Trieb, das Leben exzessiv zu genießen, und hängen leidenschaftlich an einem Überschuss, der hervorsticht und den normalen Gang der Dinge zum Scheitern bringt.“[1]

Nie ist der Mensch so unmittelbar Körper als in der Liebe und im Tod. Eros, der Gott der begehrlichen Liebe und Thanatos, der Gott des Todes – diese so ungleichen Geschwister – haben in der Kunst wohl auch aus dem Grund immer eine große Rolle gespielt, dass diese beiden die letzten unkontrollierbaren Ereignisse in unserem durchgeplanten und versicherten Leben versinnbildlichen. Die Liebe wie der Tod kommen mit schicksalhafter Unbedingtheit auf uns zu. Zurückgeworfen auf unsere Körper stehen wir ihnen gegenüber, in all unserer menschlichen Nacktheit. „Eros ist der schönste unter den unsterblichen Göttern und in der Lage, sich gegen vernünftige Überlegungen durchzusetzen; alle Götter und alle Menschen sind seiner Macht ausgeliefert.“ [2] Im erotischen Begehren überwinden wir die Vernunft, im Tod verlässt sie uns. Im Liebesakt werden Körper zu Menschen, im Sterben kehrt der Mensch zum Körper zurück. Es ist Sigmund Freud zu verdanken, dass er diese Aufgespanntheit zwischen Lebensbejahung (Eros) und –verneinung (Thanatos) als menschlichen Triebdualismus erkannt und enttarnt hat. Während der Eros nach Zusammenhalt und Vereinigung tendiert, strebt der Todestrieb nach Auflösung dieser Einheit, nach Verstreuung und Auflösung von Bindung. Körper tritt in seinen sich selbst widersprechenden und doch einander bedingenden Aggregatszuständen ins Zentrum.

FLUSS, die niederösterreichische Initiative für Foto- und Medienkunst, präsentiert im PHOTO.KUNST.RAUM. Hamburg vier österreichische KünstlerInnen zum (Ab-)Bild des Körpers im Spannungsfeld von Liebe und Tod im fotografischen Kontext. Claudia Schumann zeigt in Revolution Love Fragmente des Verlangens, lässt Körper, Blicke und umgebende Räume aufeinander los und materialisiert mittels Mehrfachbelichtungen Affekte und Ambivalenzen des sinnlichen Erlebens. Ona B. inszeniert in The Death in the Studio ihren eigenen Tod als künstlerisch-erotisches Massaker: die (für die Künstlerin typische) Farbe Rot (überdies auch dem Eros zugeordnet) als Sieg über den schwarzen Sog des Thanatos. Gerald Zahn geht in The Collection (s)einer obsessiven Sammlertätigkeit nach: eine augenzwinkernde Hommage an die Zeit in der Körperenthaarung noch keine Norm und der Ansteckbutton ein Zeichen für politische Überzeugung war. Wenn Hans Wetzelsdorfer für Gefallen in Europa schließlich Menschen, die er auf seinen Reisen trifft, bittet, dort, wo sie sonst gehen und stehen, zu fallen, werden sie zu „Hinfälligen“, die auch als solche abgelichtet werden. Nie ist der Mensch so unmittelbar Körper als in der Liebe und im Tod. Der Kunst obliegt es, diese Unmittelbarkeit medial zu hinterfragen. Die Mittel, die sie dazu verwendet: Psychologie, Koketterie, (Selbst-)Ironie oder konzeptionelle Überhöhung.

Martin Breindl, März 2015



[1]Slavoj Žižek, Parallaxe. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006, S. 61

[2]Hesiod, Theogonie 120–122

Künstler/-innen:

Ona B.

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Geboren: 1957
Nationalität: Austria
Lebt in: Vienna

www.ona-b.com/

* 1957 in Wien, Diplom Universität für angewandte Kunst /Wien (Tasquil,Frohner), GRÜNDUNGSMITGLIED der Künstlergruppen „DIE DAMEN“ (seit 1987: ONA B., Evelyne Egerer, Birgit Jürgenssen, Ingeborg Strobl, Lawrence Weiner) „phoenix produktion“ (1980-1987), „Andelsbuch-Gang“ (seit 2002).
Mitglied: Forum Stadtpark, Gesellschaft bildender KünstlerInnen Österreichs, Künstlerhaus Wien, ICOM, FLUSS – NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst

Internationale Ausstellungen : Biennale von Ankara 1990( - erster Preis für DIE DAMEN) , Biennale Venedig 1993- „Böse ist besser“ mit den DAMEN, Biennale von Kairo 1997 gemeinsam mit Tone Fink (Film „Roll Over“), Biennale von Valencia 2001- mit Norbert Brunner (Film „Sembon Dorii“ auf „Time-Pill“), Fotoinstallation „Secret Life“ Biennale in Peking 2008 , Film „Under Cover Red“ (gemeinsam mit Beofilm) SIM51-Festival 2008 / Peking. 2014 Biennale in Sinop (Sinopale).

Soloshows (Auswahl): 1993 Museum Moderner Kunst in Prag „Jsem jen oko“ ,1994 Museum Moderner Kunst in Passau „Zanshin“, 1996 Haus der Kunst / Brünn „Dark Mirror“, 2004 Shanghai- Art-Museum “Red Planet“ , 2006 Wiener Künstlerhaus „Dream“ und 2006 NAMOC- Museum in Peking „Red Happiness“. 2009 Naturhistorisches Museum Maastricht „Red Animal“. 2010 Installation „Skandal im Paradies“ im Egon-Schiele-Art-Centrum , 2010 Festival „Eyes On“ (Monat der Fotografie in Wien) 3 Präsentationen . 2011 „Melancholie und Provokation“ Dialog mit Egon Schiele. 2012 Istanbul Palais Yeniköy, „Skin & Spirit“ in Siemens Sanat, Istanbul und in der Garajistanbul, Istanbul (Serie „Turkish Delights“), Schloss Klatovy /Klenova – CR, 2013 Interaktive Galerie in der Becher-Villa / der Stadt Karlsbad (CZ) + Ausstellungskirche des Heiligen Antonius zu Padua der Stadt Sokolov (CZ). 2015 Elgiz – Museum Istanbul.

Preise und Auszeichnungen
PSK-Peis - AT
Preis für Fotografie d. Landes Niederösterreich - AT
Staatsstipendium für bildende Kunst - AT
Bundesatelier für bildende Kunst - AT
1.Preis Biennale Ankara (mit den DAMEN) - TR
Preis für bildende Kunst der Stadt Wien - AT
Preis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich - AT
Römerquelle Fotopreis (mit phoenix production) – AT
1.Preis Römerquelle Fotopreis (mit den DAMEN) - AT
Preis Musikland Österreich - AT
Artist in Residence-Atelier Sammlung Leube – Salzburg - AT
Artist in Residence-Atelier des Egon Schiele Art Centrums – Krumau – CZ
Artist in Residence-Atelier Istanbul - TR
Artist in Residence-Atelier Schloss Klatovy/Klenova – CZ

Claudia Schumann

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Nationalität: Austria
Lebt in: A

claudiaschumann.com

1963 in Wien (A)
lebt und arbeitet in Wien und im Waldviertel / NÖ.
1991 Promotion in Humanmedizin, Universität Wien; 1998 / 99 Schule für künstlerische Photographie; 2006 Diplom in Malerei und Graphik, Erweiterter malerischer Raum (Franz Graf), Akademie der bildenden Künste Wien; 2006 Erasmusstipendium, Akademie der schönen Künste Sofia;
Kooperative Ausstellungsprojekte: 1000 km Sofia – Wien, Dauhaus Sofia; private duo exhibition (T. Hardikov) Kühnplatz Wien; Auftritte (A. Manfredi), österr. Botschaft Berlin; Small skyscraper (C. Pruscha), Semperdepot Wien.

Gerald Zahn

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Geboren: 1971
Nationalität: Austria
Website: www.geraldzahn.tk

Gerald Zahn (1971) arbeitet in Wien als Medien- und Video Künstler.
Sein Interesse gilt der Dekonstruktion von Alltagsphänomenen und den Wirkungsweisen der Unterhaltungsindustrie. Die medienübergreifenden Arbeiten, die der Künstler gerne in Form von abstrakten Sammlungen präsentiert, fokussieren auf das Aufspüren von versteckten, jedoch allgegenwärtigen Normen.
In vielen seiner Filme und Video-Installationen entschleunigt Gerald Zahn den Erzählstrang durch die Verwendung von statischen Fotos anstelle herkömmlichen Filmmaterials. Das Geschehen reduziert er, ohne schnelle Bildschnitte zu verwenden, häufig auf eine oder wenige statische Einstellungen und Tableaus.

www.geraldzahn.tk

Foto: von Anna Stöcher, Gerald Zahn in seiner “easy“ Installation


Hans Wetzelsdorfer

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Geboren: 1952
Nationalität: Austria
Lebt in: Neufeld/Leitha (A)
Website: www.wetzelsdorfer.at

1952 Geboren in Wiener Neustadt/A
Lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Neufeld/Leitha A
1985-1990 Fortbildung an der Universität für Angewandte Kunst Wien (Gasthörer)
Diverse Symposien in Graz/A
Mitglied der IG bildende Kunst und VBK
International Ausstellungen: A/SK/F/TR/RUS/D/CS/I/H/B
Ankäufe: bmukk / Artothek Wien / Land Burgenland / Land Niederösterreich / Land Oberösterreich / Museum Wiener Neustadt / Private

Foto: aus der Serie \"borderline\"

www.wetzelsdorfer.at