programm 2018

IMAGES, TROPES AND NARRATIVES :

SHARING CONTROL

Ausstellung| 21. 04. 2018 - 13. 05. 2018

Ort: Schloss Wolkersdorf, Marek-Räume
Öffnungszeiten: Sa, So, Feiertag 14 - 18 Uhr

Eröffnung: 20.4.2018 um 18 Uhr
KuratorIn: Hari Laakso und / and Martin Breindl

KünstlerInnen: Bryant Hoban (USA), Paola Jalili (MEX), Verna Kovanen (FIN), Else Lagerspetz (EST), Naya Magaliou (GR), Adrian Mc Grath (IRL), Sami Juhani Rekola (FIN), Samra Šabanović (BIH), Shubhangi Singh (IND), Sheung Yiu (HK)

Wie konstruieren wir zeitgenössische Narrative und welche Bilder und (rhetorische) Figuren verwenden wir, wenn wir uns in Systemen bewegen, die so dynamisch sind, dass sie sich einer (künstlerischen) Kontrolle längst entzogen haben? Das ist die zentralen Fragestellungen, mit denen sich die Lehrveranstaltung Images, Tropes and Narratives : Sharing Controlbeschäftigt, die Martin Breindl gemeinsam mit Harri Laakso (Professor for Visual Culture and Art) im Sommersemester 2018 am Department für Kunst der Aalto Universität in Helsinki leitet. Wie können wir in einer gemeinsamen Arbeit lernen, Kontrolle abzugeben, bzw. zu teilen – und zwar nicht nur mit anderen KünstlerInnen, die an dem Projekt beteiligt sind, sondern mit anderen (menschlichen und nichtmenschlichen) Intelligenzen? KünstlerInnen haben gelernt partizipativ zu denken und die Gestaltung von Werken mit anderen Menschen zu teilen. Aber wie gehen wir mit Künstlicher Intelligenz um, mit Maschinen und Programmen? Mit Neuronalen Netzwerken und Deep Learning? Wie mit tierischer Intelligenz, mit biologischen Systemen?

Zehn StudentInnen verschiedener Disziplinen umkreisen theoretisch und praktisch das Spannungsfeld von Kontrolle und Teilen in einem Gemeinschaftsprojekt, wobei Wert auf horizontale Strukturen und Arbeitsprozesse gelegt wird. Ein künstlerisches Forschungsvorhaben, das im Februar 2018 in den Studios der Universität in Espoo begonnen hat, sich in einem Workshop in den Marek-Räumen im Schloss Wolkersdorf fortsetzt, und in der Realisation einer Installation mündet, die sich mit dem konkreten Ort beschäftigt und ihn mit „Lebensformen“ verschiedener Art besetzt.

Die Scanner-Serie von Paola Jalili, Else Lagerspetz und Naya Magaliou ist eine Sammlung von Drucken, die Erinnerungen und Träume zum Thema haben; sie wurden wiederholt ausgedruckt, gescannt und wieder gedruckt bis zu ihrer starken Verzerrung. Die Scans enthalten mehr Information als durch Worte transportiert werden kann: Staubkörner, Papierstrukturen, gelegentliche Katzenhaare und der spezifische Farbton des Scanners. Ein Soundstück, das in Zusammenarbeit mit Bryant Hoban entstanden ist, schafft eine Atmosphäre verblassender und versiegender Erinnerungen.

Eine weitere gemeinsame Arbeit, die Human Audits Machine Office (HAM Office), ist ein digitales Archivierungs- und Beratungsunternehmen, das 2018 von Bryant Hoban und Sheung Yiu gegründet wurde. In "Machines of Loving Grace" und "Visuell ähnliche Bilder", zwei der neuesten HAM-Dienste, die in dieser Ausstellung präsentiert werden, spiegelt sich ihre Mission wider: "Maschinen sind Hilfsdatenverbraucher. Wir glauben an Maschinen. Wir glauben, dass wir zu viel Vertrauen in Maschinen haben. Unsere Mission ist es, diese Maschinen zu überwachen ... zu erforschen, zu verstehen, zu offenbaren. "

Verna Kovanens Werk Tracks, bestehend aus einem Video und dem Wandtext „own tracks, own platforms, but we share the station” (eigene Gleise, eigene Plattformen, aber wir teilen die Station), schafft eine realistische Traumzone und zeigt Momente von Trennung und falschen Verbindungen. In ähnlicher Weise zeigen Samra Šabanovics fotografische Arbeiten (zusammen mit Adrian Mc Grath) "Momente, die festgehalten und bewahrt werden; endgültige Ziele und Schlussfolgerungen verleugnen".

Re-respect / Passageway, eine Gemeinschaftsarbeit von Naya Magaliou und Adrian Mc Grath, bildet einen Bruch der Raumerfahrung ab, indem er die Eingangssituation der Galerie in der Galerie selbst mit Betonplatten wiederherstellt, die vom Steinboden abgegossen wurden.

Einige der Werke erstrecken sich über die Räume des Schlosses hinaus oder laden die Außenwelt ein. Shubhangi Singhs Arbeit Öffne das Fenster und lass das Klima herein besteht aus der Projektion einer Camera Obscura und Objekten, die von den Einwohnern der Stadt für 7 Cent gekauft wurden – um den selben Betrag, einen Schilling, im Jahr 1967 entsprach, dem Preis, für den das Schloss Wolkersdorf 1967 an die Gemeinde verkauft wurde. Indem das Werk  persönliche Besitztümer in die Räumlichkeiten des Schlosses lädt und diese Objekte den Raum transformieren und unterwandern lässt, um ihn sich anschließend zurück zu erobern, ist es ein Versuch, neue Geschichten innerhalb der größeren Geschichte der Burg zu erzählen.

Adrian Mc Graths Zwei Stationen eines Floßes (nach Géricault) - im Schlossteich schwimmend - ist eine Dekonstruktion von Géricaults Gemälde „Floß der Medusa“, die in neuer künstleriscehr Reduktion Reduktion den Moment zeigt, kurz bevor die Besatzung des Schiffes Medusa gerettet wurde. Einige der Menschen wurden in Ekstase über ihre Rettung gefunden, andere in starrer Verzweiflung.

Eingepackte Landschaften, eine Arbeit von Sami Juhani Rekola, erstreckt sich auch außerhalb des Schlosses als performative Intervention. Rekolas Arbeit, in drei Variationen auch in den Galerieräumen, erforscht die Materialität, die Möglichkeiten aber auch die Problematik von Plastik; dies  entspricht einer Meditation über den „zeitgenössischen Geist“

Dokumentationsfotos: Sheung Yiu

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